|
Schön, dass Du den Weg in unsere kleine Welt gefunden hast. Nimm Platz, und lass Dir erklären,
wie es hier zugeht. Auf dass Du nicht unangenehm überrascht wirst, oder, schlimmer noch, wie
ein tumber Tor die Wunder dieser Welt begaffst.
Schau Dich um. Es ist Markttag, und Abgesandte
aller Völker sind hier zu sehen. Dort etwa, die kurze Gestalt - hüte Dich, sie "klein" zu nennen,
wenn sie es hören kann. Es ist ein Zwerg, und die gewaltige Axt trägt er nicht zum Bäumefällen! Er
spricht gerade mit einem jungen Mädchen. Achte nicht nur auf ihre zierliche Gestalt, sondern auch
auf die Ohren: sanft angedeutete Spitzen. EIne Halbelfe offenbar. Oh, und nun hat sie dem Zwergen
unbemerkt die Geldbörse abgenommen - wenn das man gutgeht...
Dort beim Kräuterhändler stehen zwei weitere
spitzohrige Gestalten. Die Frau in der schneeweissen Robe ist eine elfische Magierin, eine
Adelige zudem - siehst Du das Symbol der Gwaedt an ihrer Mantelschließe? Der deutlich kleinere
Mann neben ihr dagegen ist das, was wir einen Waldelfen nennen - ein Bogenmacher vielleicht, oder
ein Waldwächter, das kann man als Außenstehender schlecht erkennen.
Ah, seltener Besuch! Nicht so auffällig!
Das Wesen in dem violetten Kapuzenumhang meine ich. Ein Dunkelelf. Sie mögen das Licht nicht.
Bei denen gab es letzt einiges an Aufregung, es scheint, ihre alte Spinnengöttin sei
verstummt; deshalb soll es eine Art Umsturz gegeben haben, bei dem die Priesterinnen
entmachtet wurden. Auf jeden Fall sind die Dunkelelfen seither weitaus umgänglicher - was nicht heisst,
dass sie "nette Leute" wären.
Bleib sitzen! Nein, das ist kein Monsterangriff.
Der 12 Fuß-Riese dort ist ein Troll. Man sagt zwar, sie seien dumm, aber sie sind auch begnadete
Steinmetze - und leicht zu beleidigen. Du willst nicht in der Nähe sein, wenn ein Troll wütend wird.
Nun ja, die meisten Leute hier sind Menschen
wie ich. Dort die Frau, sie ist Schneiderin, und sie spricht gerade mit einem Gelehrten, wohl
ein Alchemist. Der Mann, der dort gerade die Pferde in den Pferch führt, ist offenkundig ein
Tiermeister. Da hinten diskutieren ein Druide, eine Hexe und ein Kampfmagier miteinander, und
der, dem alle aus dem Weg gehen, ist wohl ein Nekromant. Er geht gerade an den Ständen der
Tischler und der Schlosser vorbei und steuert auf die Auslagen des Schmiedes zu...
Ja, es ist schon viel los an den
Markttagen im Freien Königreich Vilburg. Aber auch die anderen Städte - Minoc und Cove - sind
nicht zu verachten. Schade, daß Vesper, die Stadt der Brücken, zur Zeit dank irgendeines
magischen Zwischenfalls von Wesen aus einer anderen Welt besetzt ist.
Wie Du hier Deinen Lebensunterhalt verdienen kannst?
Nun, das kommt auf Deine Fähigkeiten an. Handwerker etwa werden immer gesucht. Du kannst aber auch den
Weg des Kriegers einschlagen. Oder, wenn Du magisch begabt bist, Dich mit den arkanen Künsten
beschäftigen. Auf jeden Fall wirst Du sehr viel üben müssen. Wenn Dir der Sinn nach Kampf steht,
in der Nähe der Städte treibt sich mancherlei Gesindel herum, an dem Du Dein Mütchen kühlen
kannst. Aber bleib zunächst den tiefen Wäldern und erst recht den Gewölben fern, bis Du mehr
Erfahrung hast - benutze für längere Reisen besser die Kutschen. Für den Anfang wäre es wohl
keine schlechte Idee, etwa bei den Stadtwachen oder den städtischen Handwerkern nach Aufträgen
zu fragen.
Nun gut, die Pflicht ruft mich. Mögen Dir die
Götter gewogen sein - immerhin haben wir fünf davon. Gelegentlich kann man ihnen sogar begegnen.
Solltest Du dagegen jemandem in goldgesäumter Kapuzenrobe begegnen: Ignoriere ihn, solange er Dich
nicht anspricht. Das sind die Gesandten der Götter, die hier ihren rätselhaften Pflichten
nachgehen, und sie lassen sich ungern stören.
Eines noch: Verbirg Dein Schwert unter dem Umhang.
In den Städten ist das Waffentragen nicht gern gesehen. Also dann - vielleicht trifft man sich
mal wieder! Phex zum Gruß mein Freund - und pass besser auf Deinen Beutel auf. Nicht jeder würde
ihn Dir wiedergeben - so wie ich!
|